23.02.2018
Prüffeldzentrum
Kunden nutzen modernste Prüfinfrastruktur bei GRÄPER in Ahlhorn
Die Signallampe ist rot. ‚Achtung
Hochspannung, Betreten verboten!‘ leuchtet warnend ein großes
Schild. Hinter der vergitterten Zugangstür steht mittig eine
Transformatorenstation. Kabel führen akkurat verlegt über den Boden
zur Station. Auf halber Strecke ist ein Wagen mit Messgeräten
platziert. Seit vielen Stunden schon fließen 1.250 A über die Kabel
zur Station. Der Transformator fährt auf Höchstlast. Hinter
Glasscheiben befindet sich der Leitstand des Prüfzentrums. Hier
laufen die vielen Messdaten zusammen und werden übersichtlich auf
den Bildschirmen angezeigt. Den Geräten entgeht nichts, jedes noch
so kleine Detail wird durch die moderne Messtechnik erfasst und
dokumentiert. Unzählige Messpunkte auf dem Transformator, der
Mittelspannungsschaltanlage und der Niederspannungsverteilung liefern
unentwegt neue Daten. Wärmebildkameras erfassen die Station in
Infrarotbildern. Andreas Wagho überwacht die Prüfung. Er ist
Prüfingenieur bei GRÄPER und der Herr über die vielen Geräte, die
im hochmodernen Prüfzentrum von GRÄPER ist Ahlhorn für den
aktuellen Test laufen. „Wir führen hier gerade eine
Erwärmungsprüfung im Auftrag eines Kunden durch“, erläutert er.
Die Gründe für eine solche Prüfung sind
unterschiedlich. Sie dienen aber immer dazu, die
Versorgungssicherheit aufrecht zu erhalten. Gerade durch die
vermehrte dezentrale Einspeisung von Energie in die Netze, werden die
Transformatorenstationen stark schwankend belastet. „Unsere Kunden
stehen oft vor der Frage, ob die bestehenden Stationen im Netz
weitere Einspeisepunkte mit unterschiedlichen Lasten vertragen oder
ob diese erweitert werden müssen“, erläutert Wagho. „Auch für
Stationen in eng bebauten Stadtgebieten, in denen jeder Quadratmeter
zusätzlicher Platz für eine größere Station knapp ist, werden
diese Prüfungen gefahren.“
Eine kundenspezifische
Prüfung einer Transformatorenstation erfolgt meist in mehreren
Schritten. Zunächst muss der verbaute Transformator freistehend
getestet werden. Nach dem Test im Freien erfolgt die Prüfung in der
Station und die Temperaturkurven und Messdaten werden zur Ermittlung
der Gehäuseklasse erneut aufgenommen. Die Gehäuseklasse entspricht
dabei einem Wert in Kelvin. Die maximale Übertemperatur des Öls
bzw. die mittlere Übertemperatur der Wicklung des Transformators
wird in der Station mit dem jeweils gemessenen Werten außerhalb der
Station verglichen. Der maximal gemessene Temperaturunterschied
beider Messungen, angegeben in Kelvin, gibt die Gehäuseklasse an.
Als nächstes werden die kundenspezifischen Lastgänge unter
Berücksichtigung der Gehäuseklasse gefahren. „Wichtig ist
hierbei, dass die zulässigen Grenztemperaturen aller Stationsteile
nicht überschritten werden.“ erklärt Andreas Wagho.
Zahlreiche
Wärmeläufe im Prüfzentrum werden z.B. für Kunden aus dem Bereich
der regenerativen Energien gefahren. In speziellen Lastgängen wird
hier geprüft, wie hoch eine Station maximal belastet werden kann.
Die Auslegung der Station erfolgt dabei auch unter wirtschaftlichen
Bedingungen, denn eine zu groß ausgelegte Station schlägt sich in
der Rendite des gesamten Projekts nieder.
Das
leistungsfähige GRÄPER-Prüfzentrum hält noch weitere
Testmöglichkeiten für die Kunden bereit. Neben den
Erwärmungsprüfungen gem. IEC 62271-202 mit
Transformatorenleistungen bis 4.000 kVA und NS-Bemessungsströmen bis
6.300 A, führt das Team auch Prüfungen elektromagnetischer
Verträglichkeit (EMV gem. 26. BimSchV und IEC 62271-208) durch. Auch
Messungen zur Geräuschimmission von Transformatoren und
Transformatorenstationen werden in dem Prüfzentrum durchgeführt.
Zum Dienstleistungsspektrum des Prüfzentrums zählen auch
Teilentladungsprüfungen von Hochspannungskabeln. Doch nicht nur
elektrotechnische Prüfungen werden bei GRÄPER durchgeführt. Auch
für den Baukörper von Transformatorenstationen werden
verschiedenste Untersuchungen durchgeführt. „Wir führen zum
Bespiel auch Schlagfestigkeitsprüfungen gem. IEC 62271-202 und
Materialprüfungen im Wärmeofen durch.“ so Wagho.
Andreas Wagho zeigt sich zufrieden mit dem aktuellen Testlauf. „Dank guter Vorbereitung konnten alle Lastkurven unterbrechungsfrei gefahren werden. Wir können den Strom nun abschalten.“ sagt Wagho. Doch fertig ist er noch nicht. Nun folgt die umfangreiche Auswertung aller Daten, die vollständige Dokumentation des Erwärmungstests und die Zusammenfassung der Ergebnisse in einem Prüfbericht. Parallel gibt es auch im Prüfzentrum noch viel zu tun. Der aktuelle Test muss abgebaut und das Kundenmaterial zurück zum Auftraggeber geschickt werden. Schon bald leuchtet die Signallampe wieder rot auf, denn Andreas Wagho plant in enger Abstimmung mit einem anderen Kunden schon die nächste Prüfung.
Über die GRÄPER-Gruppe
Die
GRÄPER-Gruppe ist ein mittelständisches Unternehmen mit über
100-jähriger Tradition. Unser Produkt- und Dienstleistungsspektrum
haben wir in die Geschäftsbereiche Stationen, Baustoffe und Service
zusammengefasst. Mehr als 650 Ingenieure, Facharbeiter und
Servicekräfte sorgen an sieben Standorten in Deutschland, den
Niederlanden und der Slowakei täglich für zukunftsweisende Produkt-
und Servicelösungen. Mit unserer langjährigen Expertise und der
systematischen Förderung von Innovation tragen wir zum Erfolg
unserer Kunden bei.
Der Geschäftsbereich Stationen plant und liefert Stationsgebäude für die Versorgungswirtschaft einschließlich Elektrotechnik. GRÄPER gehört in seinem Segment zu den Marktführern in Europa und realisiert eine Vielzahl nationaler und internationaler Projekte. Mehr als 4.000 komplexe, fabrikfertige Stationen verlassen im Jahr unsere Werke. Anwendung finden die Stationen hauptsächlich in der Energiewirtschaft, Gasinfrastruktur, Telekommunikation oder auch Wasserlogistik. Aktiv wird die Entwicklung und der Bau von wichtigen Zukunftstechnologien vorangetrieben, wie beispielsweise maßgeschneiderte Gebäudelösungen für intelligente Ortsnetzstationen, Energieversorgung für Elektromobilität oder stationäre Batteriespeicher.